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Konica-CEO Johannes Bischof: Der Absturz des Sonnenkönigs

Der 56 jährige Österreicher Johannes Bischof galt nach außen als der smarte Sunnyboy unter den europäischen IT-Managern. Jetzt ist er abgestürzt. Frank Grünberg von der deutschen Insider-Plattform service-report IT, kennt die Hintergründe.

„Johannes Bischof wird von seinen Funktionen als Geschäftsführer im Cluster West, Deutschland und Österreich sowie als Vorsitzender des Aufsichtsrates von Konica Minolta in Belgien und Niederlanden abberufen“, teilte Keiji Okamoto, Präsident der Konica Minolta Business Solutions Europe, lapidar am 11. November mit. Die Entscheidung trete „mit sofortiger Wirkung“ in Kraft. Ansonsten weder Lob noch Dank.

Mit allem was er angepackt hat ist er gescheitert

Bischof hatte das Amt des Geschäftsführers bei der deutschen Landesgesellschaft sowie im Cluster West 2012 übernommen. Viele Jahre regierte er in der Langenhagener Zentrale und erarbeitete sich aufgrund seiner Selbstherrlichkeit schnell den Titel des “Sonnenkönigs”. Nun ist er abgestürzt – und hinterlässt ein chaotisches Erbe. „Mit allem, was er angepackt hat, ist er gescheitert“, sagt ein Insider.


Künftig soll Jörg Hartmann die Geschäfte in Deutschland und Österreich führen. Er wechselte vor einem Jahr von Fujitsu zu Konica Minolta und leitete dort seitdem das operative Geschäft. Ob er wie Bischof zum Geschäftsführer aufsteigt, ist derzeit offen. So wie vieles andere auch. „Bitte schließen Sie sich mir an und wünschen Sie Jörg Hartmann alles Gute und viel Erfolg bei seiner neuen Aufgabe“, schrieb Okamoto. Hartmann berichtet direkt an ihn.

Konica Minolta: Größte Krise der Geschichte

Der japanische Konzern befindet sich in der wohl größten Krise der Unternehmensgeschichte. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres (bis 31. März 2020) fiel der weltweite Umsatz um rund vier Prozent auf 497 Milliarden Yen (rund 4,1 Milliarden Euro). Gleichzeitig stürzte die operative Gewinnmarge von 6,7 auf knapp 1,1 Prozent ab. Mit anderen Worten: Das Unternehmen verdient kaum noch Geld. Und es fehlt die Perspektive, wie dem Management die Trendwende gelingen soll.
In den letzten Jahren versprach die japanische Konzernspitze viel, etwa den Einstieg in Zukunftsmärkte wie BigData oder das Internet der Dinge. Doch schon relativ einfache Projekte wie der WorkPlace Hub scheiterten auf ganzer Linie. Beobachter bezeichnen ihn inzwischen als „Rohrkrepierer”.
Das Gerät integriert Server, Multifunktionsgeräte sowie Backup-, Sicherheits – und Management-Lösungen in einer Box und hat die Maße eines A3-Multifunktionsgerätes (MFP) und adressiert kleine und mittlere Unternehmen. Konica Minolta wollte sich damit als ernstzunehmender Dienstleister im IT-Umfeld etablieren, nicht zuletzt um seinen Servicetechnikern neue Aufgaben zu geben. Angesichts eines schrumpfenden Druckvolumens geht denen langsam die Arbeit aus.
Im März 2017 wurde der Workplace Hub erstmals vorgestellt. Seitdem verzögerte sich der Marktstart. Bis heute hat das Unternehmen ihn nicht offiziell vermeldet. Es seien vor allem offene Lizenzierungsfragen, die die Einführung verzögerten, hieß es zuletzt. Erfolgreiche Unternehmen klären solche Fragen vor der Produktpräsentation.

Raber + Märcker: Stück für Stück zerschlagen

Bei technischen Innovationsprojekten wie dem Workplace Hub klebte Bischof hilflos am Fliegenfänger der Konzernzentrale. In seinem eigenen Zuständigkeitsbereich aber hätte er viele Chancen gehabt, das Geschäft in punkto Umsatz, Gewinn, Vertrieb und Organisation auf Vordermann zu bringen. Doch Fehlanzeige. Einige Beispiele.
Von seinem Vorgänger Günther Schnitzler übernahm Bischof die Beteiligung am Stuttgarter IT-Dienstleister Raber + Märcker. Die Strategie Schnitzlers, das Unternehmen behutsam zu integrieren und die erfolgreiche Geschäftsführung möglichst lange bei der Stange zu halten, führte Bischof nicht fort. Die Folge: Schon nach wenigen Monaten hatte das gesamte Raber + Märcker-Management den Dienst quittiert. Der IT-Hoffnungsträger wurde anschließend Stück für Stück zerschlagen, umbenannt und auf die Muttergesellschaft verschmolzen. Das Hin- und Her schlug sich zuletzt deutlich negativ in den Bilanzen nieder. Im Geschäftsjahr 2018 hatten beide Gesellschaften in Summe noch knapp 520 Millionen Euro ausgewiesen. Nach der Verschmelzung im Jahr danach fielen die Erlöse auf unter 490 Millionen Euro.

Bilanzen: Regelmäßig in den roten Zahlen

Gewinne erwirtschaftete Bischof zuletzt keine mehr. Im Gegenteil wies die deutsche Landesgesellschaft seit 2015 meist Verluste aus. Dennoch ließ Bischof die Dinge schleifen. Mit bundesweit mehr als 20 Standorten unterhält das Unternehmen im Direktvertrieb bis heute eine kostspielige Infrastruktur, die bei sinkenden Druckvolumina nicht mehr rentabel ist.
Ein echtes Desaster organisierte Bischof in der Auftragssteuerung. Im April 2018 wurden rund 40 Mitarbeiter darüber informiert, dass ihre Aufgaben nach Polen und Rumänien verlagert werden. Bis dahin war die Auftragsabwicklung und Rechnungsstellung an den Standorten Berlin, Frankfurt, München und Düsseldorf erfolgt. Die betroffenen Mitarbeiter wurden mit teilweise hohen Abfindungen aus dem Unternehmen entlassen.
Der Schuss aber ging nach hinten los. Kunden erhielten plötzlich keine Informationen und selbst auf Nachfragen keine Antworten mehr. Schon nach wenigen Monaten sah sich Bischof daher gezwungen, die Auftragssteuerung zurück nach Deutschland zu holen und die ehemaligen Mitarbeiter zu einem Comeback zu bewegen. „Selbst die bereits gezahlte Abfindung durften sie behalten“, berichtet ein Insider. Viele schlugen dennoch aus. Bis heute versucht das Unternehmen, die selbst verschuldeten Lücken zu schließen. Damit nicht genug: Bischof habe versucht, so heißt es,die Verantwortung für diese Aktion auf andere abzuwälzen.
Vor diesem Hintergrund kommt Bischofs Rausschmiss nicht überraschend. Allerdings ist die Tragweite für die deutsche Firma noch nicht abzusehen. Fest steht: Der Vertriebscluster West, den Bischof einst aus der Taufe hob und den er rund sechs Jahre führte, wird wieder aufgelöst. Die Vertriebsgesellschaften in Holland und Belgien sollen ihre Geschäfte künftig wieder selbst verantworten.

Okamoto: Müssen agiler und schneller werden

Für den deutsch-österreichischen Teil ist zudem eine massive Reorganisation geplant. Gut möglich, dass das europäische Management künftig sogar das oberste Kommando in der Deutschland-Zentrale übernehmen wird. Diese Option liegt buchstäblich nahe, residieren beide Management- Teams doch im gleichen Gebäude.
Hinzu kommt: Als Cluster-Chef West trug Bischof großen Anteil daran, dass auch die Konica Minolta Business Solutions Europe GmbH zuletzt rote Zahlen schrieb.
Man darf gespannt sein, ob und wie schnell sich die Organisation von der Ära Bischof erholen kann. „Ich fordere Sie alle auf, sich die nächsten Monate darauf zu fokussieren, damit wir die Ziele des zweiten Halbjahrs erreichen werden“, bat Okamoto seine Mitarbeiter. „Gleichzeitig müssen wir unser Unternehmen so umgestalten, dass es kundenorientierter und vor allem agiler und schneller wird.“

Das Ende der Eigenständigkeit

Jedenfalls steht Konica Minolta Deutschland - und damit auch deren Tochter, der Konica Minolta Business Solutions Austria GmbH - wohl ein massiver Umbau ins Haus. Vier Tage nach dem Rausschmiss von Bischof zeigte sich der neue Landeschef Jörg Hartmann in einem Mitarbeitermeeting bemüht , die Zukunft des Unternehmens aufzuzeigen. Doch die Auskünfte wirkten, berichteten Teilnehmer, vorläufig, vage und lückenhaft. „Das war nur die Vorstufe für eine massive Reorganisation“, glaubt ein Insider. „Die konkreten Einzelheiten dazu werden wir Anfang des kommenden Jahres erfahren.“
Doch nicht nur die neue Struktur, auch die Person Hartmann wirft viele Fragen auf. Der Newcomer ist erst seit einem Jahr im Unternehmen und verfügt in Langenhagen weder über ein gutes Netzwerk noch über eine eigene Hausmacht. Und obwohl er das Unternehmen aus der Misere führen soll, wurde er anders als Bischoff und dessen Vorgänger nicht mit den Vollmachten eines Geschäftsführers ausgestattet. Fakt ist: Alle wichtigen Entscheidungen muss Hartmann mindestens mit Tsuyoshie Yamazato abstimmen, dem einzig verbliebenen Geschäftsführer der Konica Minolta Business Solutions GmbH. „Angesichts der Rolle, die Hartmann spielt, ist es nicht auszuschließen, dass die deutsche wieder auf die europäische Gesellschaft verschmolzen wird“, sagt einer, der das Unternehmen bestens kennt. Aus Sicht des japanischen Managements – dazu zählen neben Yamazato auch Europachef Keiji Okamoto sowie die Konzernzentrale in Tokio - würde eine Verschmelzung nicht nur die Kontrolle über die größte Landesgesellschaft Europas erleichtern. Hinzu kommt: Die Verschmelzung könnte den formalen Rahmen für das dringend notwendige Sparprogramm bilden. In Langenhagen sitzen das deutsche und das europäische Management bereits im gleichen Gebäude. Und zentrale Funktionsbereiche wie Marketing ließen sich künftig nur noch einfach bespielen.
Wie groß die wirtschaftlichen Probleme der deutschen Gesellschaft sind, ist offiziell nicht bekannt. Die letzte veröffentlichte Bilanz der deutschen Gesellschaft weist für das Geschäftsjahr 2018 (bis 31. März 2019) ein Minus von mehr als 4,1 Millionen Euro aus. Das Österreich-Ergebnis ist nicht bekannt.

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